Für sehr viele deutsche Verbraucher ist die Wirecard die Alternative wenn sie einen Schufaeintrag haben und aus diesem Grund keine “normale” Kreditkarte erhalten können. Entwickelt wurde das Konzept der Wirecard im Jahr 2006 und basiert darauf, um auch dieser damals schon immer wachsenden Verbrauchergruppe den Zugang zu der Möglichkeit einer bargeldlosen Zahlung durch Kreditkarte zu bezahlen. Die Wirecard AG hatte 2006 die Zeichen der Zeit erkannt und die Lücke geschlossen, die Paypal und Click2Buy und eine Vielzahl weiterer für das Internet geschaffener Zahlungsabwicklungssysteme aufgerissen hatten. Die Wirecard indes kann weltweit eingesetzt werden und funktioniert auf Guthabenbasis und hat entweder Visa oder Mastercard als Vertragspartner.
Wer also einer Schufaanfrage entgehen möchte bzw. bei einer “normalen” Kreditkarte aufgrund der daraus resultierenden schlechten Bonität eh abgelehnt würde, kann sich vertrauensvoll an Wirecard wenden. Nun ist die Wirecard in der Branche allerdings in die Kritik geraten. Schon 2008 hatte die Schutzvereinigung der Kleinanleger SdK dem Unternehmen eine mangelnde Transparenz im Jahresabschluss vorgeworfen. Daraufhin beauftragte Wirecard eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Ausarbeitung von Verbesserungsmöglichkeiten, die auch umgesetzt wurden.
Der Missbrauch der Wirecard, der nun aber bekannt wurde, übertrifft alles. Und zwar soll ein Casino-Ring die Wirecard-Zahlungsabwicklung für die Auszahlung von Gewinnen genutzt haben. Das Ganze kam heraus nachdem ein Bote in Florida verhaftet und vom FBI angeklagt wurde. Allein dieser Bote soll über 5 Mio. US-Dollar über Wirecard von Deutschland aus in die USA transferiert haben. 2009 sollen es Gerüchten zufolge bis zu 50 Millionen Euro gewesen sein. Die Anklage besagt, dass hierfür 424 verschiedene Firmen genutzt wurden, die der Bote allerdings überwiegend selbst gegründet hatte. Wirecard selbst steht zwar nicht im Kontakt mit dem Boten, doch allein der Umstand, dass das Wirecard-Zahlungsabwicklungssystem von derartig Kriminellen genutzt wurde, wirft allerdings kein gutes Licht auf das Unternehmen. Nach Bekanntwerden der Umstände brach der Kurs des Unternehmens um 9 Prozent ein. Nun befürchten die Anleger, dass derartige Geschäfte einen wesentlichen Anteil am Umsatz des Unternehmens ausmachen und damit auch am Gewinn.
Die Summe dieses Falls scheint zwar im Verhältnis zum Gewinn gering zu sein, doch allgemein steht nun das Geschäftsmodell von Wirecard allgemein unter starkem Beschuss. Aber das Unternehmen selbst möchte natürlich auch keinen Brückenschlag zur großen PPC-Branche (Pillen, Porno, Casino) wenn man von der Wirecard spricht.
Da sich einige Anleger nun wohl zurückhalten was den Kauf einer Aktie von Wirecard angeht, bis die Vorwürfe vom Tisch sind, ist allzu verständlich. Dies aber kann für Wirecard bedeuten, dass diese Vorwürfe das Tagesgeschäft deutlich beeinträchtigen können. Und die Konkurrenz schläft nicht, denn auch Mastercard und Visa arbeiten derzeit an einem derartigen Konzept.